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Mittwoch, 29. Januar 2025

"Hannas Regen"

 

Geheimnis um Hanna: "Hannas Regen"!

Susan Kreller

Hannas Regen

978-3-551-32199-2

Carlsen Verlag

Alter: 12+

Josefin hat nicht viele Freunde. Daher freut sie sich, als eines Tages die geheimnisvolle Hanna neu in die Klasse kommt. An dem Tag regnet es in Strömen, und Hanna ist völlig durchnässt. Sie zieht ein zerlesenes Buch mit dem Titel “Gotische Kirchen bei Licht besehen” aus der Tasche, bettet ihren Kopf darauf, als sei es ein Kissen und macht erstmal ein Nickerchen. Irgendetwas ist seltsam an Hanna. Zum Beispiel reagiert sie nicht, wenn man sie mit ihrem Namen anspricht, und sie spricht selbst nur das nötigste. Josefins Mutter, die bei einem großen Technologiekonzern arbeitet, ist gleichsam irritiert von Hannas Mutter, die neu bei ihr in der Buchhaltung angefangen hat. Sie steckt Josefin mit der Idee an, dass an der ganzen Familie etwas faul ist, und Josefin beginnt zu ermitteln. Sie beobachtet Hanna ganz genau, und es fallen ihr immer mehr verdächtige Dinge auf. Warum erschreckt Hanna bei der Knallgasprobe in Chemie fast zu Tode? Warum bekommt sie Panik, als sich ein Polizist in die Klasse verirrt, der eigentlich zur Berufsberatung in die Klasse nebenan wollte? Warum zieht es sie immer wieder in das alte Planetarium? Und warum hat sie laut Supermarktleiter Pollmann 10 Flaschen Nagellack geklaut, wo sie doch gar keinen trägt? Warum trägt sie nach diesem Vorfall dann doch plötzlich Nagellack? Josefin wird aus ihr einfach nicht schlau. Sie lädt Hanna zum Essen mit ihrer Familie ein. Ihre Mutter hat ein Faible für abenteuerliche Länderküche. Diese Woche ist Liechtenstein dran. Josefins Bruder Carlos legt immer demonstrativ den Flyer vom Pizzalieferdienst auf den Tisch, denn Mutters Kochkünste sind oftmals gewöhnungsbedürftig. Diesmal hat sie beim Nachtisch Zucker und Salz verwechselt, sodass Hanna das Kirschdessert quer über den Tisch spuckt und alles und jeden mit Kirschflecken übersät. Josefins Familie ist schon ein bisschen verrückt, aber liebenswert. Ihr Vater ist Lehrer, und sein Hobby ist das alte Festnetztelefon. Wenn dort mal jemand anruft, was selten genug vorkommt, da die Leute fast nur noch von Handy zu Handy kommunizieren, meldet er sich mit den schrägsten Namen und lacht sich kaputt über die Reaktion der Anrufer. Josefin hat inzwischen eine Theorie zum “Hanna Rätsel”: Hanna und ihre Familie müssen im Zeugenschutzprogramm sein! Dazu passt auch, dass sich Hanna nicht mit dem Rest der Schülergruppe fotografieren lassen will und ihre Mutter sogar gegenüber einem Fotografen des regionalen Käseblatts handgreiflich wird, um ja nicht abgelichtet zu werden. Am letzten Tag vor den Ferien fehlt Hanna in der Schule, und die Lehrerin bittet Josefin, ihr einen Umschlag vorzubringen. Hannas Eltern behaupten, dass Hanna a) krank und b) in der Badewanne ist, doch sie sind schlechte Lügner. Josefin sucht Hanna und findet sie schließlich auch. Hanna freut sich über das Weihnachtsgeschenk, das Josefin ihr mitgebracht hat, einen Schlüsselanhänger in Form eines gotischen Fensters und Kirsch-Schokolade. Nun sind sie wirklich Freundinnen. Die beiden reden nicht viel, aber manchmal braucht man keine Worte. Die besten Freunde sind die, mit denen man auch mal schweigen kann, ohne dass es unangenehm wird. Als Hanna wieder zum Länderküchen-Familienessen bei Josefin ist, diesmal ist Ägypten an der Reihe, taucht Hannas Mutter auf, zerrt sie förmlich aus der Wohnung und flüstert etwas von “kein Kontakt”, was Josefins Theorie zu bestätigen scheint. Doch dann ist Hanna plötzlich verschwunden. Josefin findet ihr Buch mit den gotischen Kirchen im Regen bei den Mülltonnen. Hannas Geheimnis wird schließlich gelüftet, aber nichts ist so, wie es bisher schien … 

Eine ungewöhnlich leise Geschichte, aber dennoch spannend bis zur letzten Seite! Ich konnte das Buch nicht mehr weglegen, weil ich einfach wissen wollte, was denn nun wirklich mit Hanna los ist. Wer viel Action braucht, der ist hier falsch, aber wer eine wirklich außergewöhnliche Freundschaftsgeschichte, die auch sprachlich aus der Masse heraussticht, lesen will, der liegt mit diesem Buch goldrichtig! 

Viel Spaß beim Lesen!!!

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Mittwoch, 15. Januar 2025

"Beat vor die Eins"

 

Leben und Leiden eines Teenagers: "Beat vor die Eins"!


Alexandra Helmig

Beat vor der Eins

978-3-95854-219-8

Mixtvision Verlag

Alter: 14+

Das Leben der fünfzehnjährigen Ina läuft gerade alles andere als optimal. Die Ehe ihrer Eltern ist am Ende, was ihre Mutter nicht wahrhaben will. Während der Vater Zeit mit seiner Geliebten verbringt, heult sich die Mutter bei Ina aus. Ina hingegen lässt alles bei ihrer besten Freundin Vicki raus, textet sie die ganze Nacht zu, bei zu viel Alkohol und Zigaretten. Auch ihrem Klavierlehrer heult Ina vor, wie Kacke es doch gerade zuhause läuft, auch um davon abzulenken, dass sie schon wieder nicht geübt hat. In der Schule versagt sie komplett in Mathe, freut sich über jede knappe 5 und kann es nicht lassen, ihren Lehrer zu provozieren. Dann will Theo auch noch, dass sie in seiner Band singt. Obwohl sie sich darüber freut und mit Feuereifer dabei ist, hat sie beim ersten Auftritt einen totalen Blackout und wird ausgebuht. Und wo ist eigentlich Vicki, die doch in der ersten Reihe stehen und sie unterstützen wollte? Als wäre dieses ganze Chaos nicht schon genug, schlägt nun auch noch die Liebe zu, aber voll. Immer wenn Ina Phil, den neuen, coolen Typen, der aus Berlin hergezogen ist, sieht, hat sie Schmetterlinge im Bauch und bekommt kein vernünftiges Wort mehr raus. Vicki findet Phil arrogant, nur weil er aus Berlin kommt. Ist sie vielleicht nur eifersüchtig? Beide Mädchen sind dauerhaft unzufrieden mit ihrer Figur: zu dicke und kurze Waden, zu kleine Brüste … Immer wieder schmieden sie neue Pläne, um abzunehmen und probieren verschiedene Diäten, die sie aber immer nur ein paar Tage durchhalten. Ina träumt davon, so richtig dürr zu sein und dann von allen anderen Komplimente dafür zu bekommen, aber das wird wohl ein Traum bleiben. Ihr Vater nimmt sich eine Auszeit und verschwindet einfach, ihre Mutter dreht komplett am Rad. Die Sprachferien an der Côte d’Azur kommen Ina da gerade recht. Nix wie weg hier. Sie ahnt nicht, dass sie vom Regen in die Traufe gerät. Die malerische Landschaft ist nicht halb so malerisch, das Haus ist potthässlich, der Gastvater, ein ehemaliger Boxer, ist aufdringlich. Gastmutter Sylvie ist immerhin ok. Ina muss im Kinderzimmer der zweijährigen Claire schlafen, was der Gastvater als Vorwand nimmt, um nachts immer wieder hineinzuschauen, er will ja “nur” nach seiner Tochter sehen. Doch Ina wird wach, als er vor ihrem Bett steht und seinen Dödel an ihr reibt. Das Bad kann man übrigens auch nicht abschließen. Einziger Lichtblick in dem Katastrophenurlaub ist Yann, Sylvies 22-jähriger Bruder. Mit ihm hat Ina ihr erstes Mal. Als sie wieder in Deutschland ist, bleiben ihre Tage aus. Ist sie etwa schwanger? Falls ja, dann wäre sie nicht die Einzige, denn auch Vaters Geliebte hat verkündet, dass sie Nachwuchs erwartet und dass sich Inas Vater jetzt doch endlich von Inas Mutter trennen soll. Wie soll es jetzt weitergehen?

OK, am Anfang war ich ein bisschen verwirrt von der Art, wie dieses Buch geschrieben ist. Viel Text hat es nämlich nicht, und ich hatte es auch recht schnell durch. Irgendwann fand ich es dann eigentlich auch ganz spannend, in die Gefühlswelt der pubertierenden Ina einzutauchen. So ganz warm wurde ich aber nicht mit ihr. Für meinen Geschmack hatte das alles ein bisschen zu viel schnelles Drama und zu wenig Inhalt. Trotzdem ist es kein schlechtes Buch. Davon, dass es angeblich in den 90ern spielt, merkt man aber nicht viel, außer dass oft und überall geraucht wird. Als ehemaliges “Pubertier” der 90er hatte ich da auf etwas mehr gehofft. Die Playlist (über QR-Code)  ist ganz nice, hat aber wenig mit dem Inhalt des Buches zu tun. 

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Mittwoch, 20. November 2024

"Gras unter meinen Füßen"

 

Ada blüht auf: "Gras unter meinen Füßen - Das Jahr, als ich leben lernte"


Kimberly Brubaker Bradley, übersetzt von Beate Schäfer

Gras unter meinen Füßen - Das Jahr, als ich leben lernte

978-3-423-64114-2

dtv Reihe Hanser

Alter: 11+

Ada wurde ihr Leben lang klein gehalten. Von ihrer Mutter wurde sie immer als Schande und Belastung angesehen, weil sie mit einem verkrüppelten Fuß geboren wurde. Ihre Mutter misshandelte sie physisch und psychisch, einzig ihr kleiner Bruder Jamie war für sie da. Doch als Jamie größer wird, zur Schule geht und Freunde findet, ist Ada wieder ganz allein. Sie darf das Haus nicht verlassen. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, werden viele Kinder aus London aufs Land geschickt, auch Jamie. Ada soll in der Wohnung bleiben. Sollen sie doch die Bomben treffen, meint ihre Mutter. Doch Ada, die sich sonst immer nur kriechend fortbewegt hat, hat in den letzten Wochen heimlich das Stehen und Laufen gelernt. So gelingt es ihr unter Schmerzen, zum Sammelplatz an der Schule zu kommen und dann zusammen mit Jamie und den anderen Kindern in den Zug zu steigen. Die anderen fahren einer ungewissen Zukunft entgegen. Ada fährt in Richtung Freiheit. Die Geschwister werden bei Miss Susan Smith, einer älteren Dame, einquartiert, die sie zunächst nur widerwillig aufnimmt, da sie keine Ahnung von Kindern hat. Beim Baden, ein Luxus, den die beiden gar nicht kennen, entdeckt Susan Adas Klumpfuß. Sie will Ada helfen, doch Ada zuckt zurück, da sie erwartet, geschlagen zu werden. Susan ist entsetzt über den verwahrlosten Zustand der Kinder, die weder ihr Alter noch ihren Nachnamen wissen. Sie schätzt Jamie auf höchstens 6 Jahre, Ada ca. 9 Jahre. Sie bringt sie zum Arzt, der meint, beide Kinder seien stark unterernährt und wundert sich, dass Adas Klumpfuß nicht schon im Säuglingsalter behandelt wurde und gibt ihr Krücken. Susan geht mit den Kindern einkaufen, da sie keine Wechselkleidung besitzen. Ada versteht nicht viel von dem, was um sie herum vorgeht. Sie war noch nie bei einem Arzt, in einem Laden oder in einer Bank. Ein Radio hat sie auch noch nie gesehen. Langsam werden die alte Dame und die Kinder miteinander warm. Susan schläft schlecht, seit ihre Freundin/ Lebensgefährtin Betty vor drei Jahren an Lungenentzündung gestorben ist. Betty hat ihr das Pony Butter vererbt. Ada ist ganz angetan von Butter. Sie verbringt viel Zeit mit dem Pony und bringt sich selbst das Reiten bei. Während Ada richtig aufblüht, hat Jamie noch immer Heimweh, macht ins Bett, und Ada findet, dass er richtig undankbar ist. Sie genießt ihre Freiheit, dass sie rausgehen kann und dass niemand gemein zu ihr ist und ihr weh tut. Ada geht erstmals in die Schule, doch die Lehrerin meint, sie sei dumm und könne nicht beschult werden. Das ist Blödsinn. Ada ist nicht dumm, es hat ihr nur noch niemand etwas beigebracht. Susan glaubt fest an Ada. Sie beginnt, den Kindern Abends vorzulesen, um ihren Wortschatz zu erweitern und will Ada das Lesen beibringen. Beim Reiten auf Butter lernt Ada das Mädchen Margaret kennen, deren Pferd durchgegangen ist. Margaret ist erstaunt, dass Ada so gut reiten kann, obwohl niemand es ihr beigebracht hat. Ada reitet gemeinsam mit der verletzten Margaret auf deren Pferd und bringt sie so nach Hause. Margarets Mutter, Lady Thorton, schenkt Ada alte Reitkleidung von Margaret. Jamie will nicht zur Schule, verrät aber nicht wieso. Dann entdeckt Susan sein verletztes Handgelenk. Die Lehrerin bindet seine linke Hand brutal fest, damit er nicht mit Links, der “Hand des Teufels” schreibt. Susan meint, das sei Quatsch und sie habe in Oxford einen linkshändigen Professor gehabt. Jamie soll schreiben dürfen, mit welcher Hand er will, oder sie wird rechtliche Schritte einleiten. Ada ist beeindruckt. Butter hat Schwierigkeiten beim Laufen und Grimes, der Stallmeister der Thortons, kann nur entsetzt den Kopf schütteln. Das Pony war seit Jahren nicht beim Hufschmied. Zum Glück kann er Butter helfen. Susan tut es leid, dass sie Butter aus Unwissenheit so vernachlässigt hat. Sie dachte, ein Platz auf der Weide und genügend Futter wären alles, was ein Pony braucht. Betty war die Pferdeexpertin von den beiden. Ada macht im Laufe der Zeit viele neue Erfahrungen. Sie geht ins Kino, sieht das Meer, geht in die Kirche, aber dass sie nichts für ihren Fuß kann, nichts verkehrt gemacht hat und schon gar nicht schlecht oder böse ist, das will ihr immer noch nicht in den Kopf. Der Krieg dauert an, Verdunklung und Lebensmittelknappheit werden Alltag. Jamie macht nicht mehr ins Bett, seit er einen floh-verseuchten Kater abgeschleppt hat, der nun bei ihm schläft. Ada lernt, im Damensattel zu reiten, da sie immer Schwierigkeiten mit den Steigbügeln hat. Die Geschwister feiern zum ersten Mal richtig Weihnachten, mit Baum und Geschenken. Der Krieg ist jetzt auch in dem kleinen Dorf in der Grafschaft Kent angekommen. Es kommt zu Luftangriffen. Ada hilft mit, die verletzten Soldaten zu pflegen, die die Schlacht von Dünkirchen überlebt haben. Außerdem trägt sie durch ihre Wachsamkeit wesentlich dazu bei, einen Spion zu enttarnen und wird zur Heldin. Doch dann taucht plötzlich ihre Mutter auf und will Ada und Jamie mit zurück nach London nehmen, obwohl der Krieg noch andauert. Für Ada heißt das: Zurück in die Hölle!

Diese Geschichte hat mich wirklich berührt. “Gras unter meinen Füßen” ist eines dieser Bücher, das Dich mit Tränen in den Augen und einem Lächeln im Gesicht zurücklässt. Ada ist mir beim Lesen sehr ans Herz gewachsen. Sie weiß so wenig von der Welt, alles ist neu für sie. Einerseits wünscht sie sich, Ihre Mutter wäre wie Susan, andererseits fragt sie sich, ob sie Susan wirklich vertrauen kann, weil Susan ja vielleicht doch so ist wie ihre Mutter. Ich habe das Buch an einem Tag verschlungen, weil ich unbedingt wissen wollte. ob es ein Happy End gibt. Das Ende verrate ich jetzt nicht, aber ich kann sagen: Dieses Buch hat das Zeug zum Lieblingsbuch!

Viel Spaß beim Lesen!!!

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Mittwoch, 23. Oktober 2024

"Willkommen bei den Grauses - Wer ist schon normal?"

 

Grauselig, gruselig, super witzig: "Willkommen bei den Grauses"!


Sabine Bohlmann

Willkommen bei den Grauses - Wer ist schon normal?

978-3-522-50828-5

Planet!/ Thienemann Verlag

Alter: 9+

Die neunjährige Ottilie Schmidt, ein kleines Mädchen mit großer Brille, das wenig redet und viel liest, wünscht sich sehnsüchtig Freunde. Daher ist sie sehr gespannt, als bei Nacht und Nebel eine neue Familie gegenüber in die Sackgasse 13 einzieht: Die Grauses. Ottilie bringt den neuen Nachbarn einen Gugelhupf als Begrüßungsgeschenk und stellt fest, dass die Familie irgendwie merkwürdig ist. Zwar bekommt sie keinen der Grauses zu Gesicht, aber sie reden durch den Briefschlitz mit ihr. Später sieht sie, wie der Kuchen wie von Geisterhand ins Haus schwebt. Nach und nach freundet sich Ottilie mit den Nachbarskindern an. Sie kommen aus der Stadt Nebel und sind keine Menschen. Der Junge heißt Muh (Muhnika) und ist ein Dilldapp, halb Mensch, halb Hirsch. Das Mädchen heißt Wolfi (Wolfgang) und ist ein Werwölfchen mit einer Vorliebe für vegane Hundeleckerlies. Die kleine Schwester Husch ist ein Gespenst (seit 268 Jahren 5 ½ Jahre alt) und unsichtbar. Mutter Olga ist ein Dschinn (Flaschengeist) und Vater Holger eine Felfe, halb Fee, halb Elfe. Dann gibt es noch einen Opa, der ein Schrat ist und eine sprechende, fleischfressende Pflanze namens Frau Bissgurke am Hut trägt, einen lebendigen Wischmop, der sich Mühe gibt, einen Hund zu spielen und einen sprechenden Koffer namens Schnalle. Die Grauses haben in der Schule in Nebel gelernt, wie man sich als Mensch verhält. Nun sollen sie unter den Menschen leben, natürlich ohne aufzufallen. Die Menschen dürfen sie keinesfalls als komisch, seltsam oder wunderlich wahrnehmen und bezeichnen, daher nennt Ottilie sie  originell, ausgefallen und bemerkenswert. Wenn die Grauses gegen die Regeln verstoßen, sieht das die Krähe, die sie Tag und Nacht überwacht, und es gibt Minuspunkte. Bei 77 Minuspunkten muss man die Menschenwelt (mit unbekanntem Ziel) verlassen. Opa hat die größten Probleme, sich zu integrieren, doch dann verliebt er sich in Frau Dörte Gurfinkel-Rübsaat von nebenan, die so eine herrlich schrille Stimme, aber einen viel zu ordentlichen Garten hat. Als sie verreist, bietet er an, den Garten zu gießen und verwandelt ihn in ein Unkraut-Paradies, was der Dame gar nicht gefällt und Opa gewaltige Minuspunkte einbringt. Ottilie tut ihr Bestes, um ihren neuen Freunden in der Menschenwelt zu helfen. Muh und Wolfi geben sich Mühe. Immerhin wollen sie nach den Ferien in die Menschenschule gehen, und da müssen sie einiges wissen, das ihnen Herr Bienlein, ihr mitternächtlicher Privatlehrer, nicht beibringen kann. Damit auch Husch unter Menschen gehen kann, experimentieren sie mit sichtbarer Kleidung, Sonnenbrille und Schminke. Trotzdem fällt Husch auf. Auch die Eltern erregen Aufmerksamkeit: Ein hüpfender Mann im Einhorn-Shirt und eine schwebende Frau im langen weißen Kleid, so etwas sieht man nicht alle Tage. Im Supermarkt sorgt die Familie für ein gigantisches Chaos. Mutter Olga will unbedingt leere Flaschen kaufen, Husch klettert in die Gefriertruhe, und Opa steckt die Einkaufswagen aller Kunden zusammen und kassiert die Münzen. Die Krähe verteilt eifrig Minuspunkte, und Opa hat nun so viele, dass abgeholt und fortgebracht werden soll. Zum Glück haben die Verantwortlichen noch einmal Erbarmen, und Opa bekommt Bewährung. Jetzt darf nichts mehr schief gehen. Ottilie wird als Nachhilfelehrerin engagiert und Opa muss erst mal nachsitzen …

Herrlich “grauseliger” Lesespaß! Ich habe einer 3. Klasse beim Besuch in der Buchhandlung daraus vorgelesen, und die Kinder (und Lehrerinnen) konnten gar nicht genug bekommen. Diese Familie ist einfach zu komisch, oh Verzeihung, ich meinte natürlich “außergewöhnlich”, nicht dass hier noch jemand Minuspunkte bekommt ;-). Ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert und freue mich schon auf weitere Abenteuer mit den Grauses.

Viel Spaß beim Lesen!!!

Buch bestellen? https://www.osiander.de/shop/home/artikeldetails/A1069507932

Mittwoch, 25. September 2024

"Pollys Post"


Für alle, die heute auch sehr traurig sind: "Pollys Post"!

Jutta Nymphius und Volker Fredrich

Pollys Post

978-3-85429-626-0

Tulipan Verlag

Alter: 8+

Polly feiert ihren 8. Geburtstag - ohne Oma, denn Oma ist vor kurzem gestorben. Alle sagen, Oma sei im Himmel, aber kann das sein? Der Himmel scheint Polly unendlich weit entfernt. In ihrer Trauer schreibt sie einen Brief an die Oma und schickt ihn mit einem Heliumballon auf die Reise. Im Grunde rechnet sie nicht mit einer Antwort, schließlich ist Oma ja tot, doch ein paar Tage später erhält sie einen Brief - von Oma! Oma schlägt einen Platz vor, wo Polly in Zukunft ihre Briefe deponieren soll, und so entsteht ein reger Austausch. Polly schreibt sich alle Sorgen von der Seele, wie sehr sie Oma vermisst, aber auch, dass sie in der Schule von dem gemeinen Franz geärgert wird und super aufgeregt ist, im Schultheater die Rolle der Pippi Langstrumpf spielen zu dürfen. Oma gibt wertvolle Tipps, doch dann macht “Oma” einen Fehler: Sie schreibt, dass Papa als Kind auch gerne Blaubeeren mochte. Das kann sie gar nicht wissen. Sie war doch die Mama von Mama! Also ist es definitiv nicht Oma, die diese Briefe schreibt, aber wer ist es dann? Polly hat drei “Verdächtige”, die alle Oma kannten und von Pollys Trauer wissen. Alle drei sind immer sehr nett zu Polly, die jeden Tag an ihren Läden vorbeikommt. Als erstes ist da Herr Hase, bei dem Oma immer ihre Zeitschriften gekauft hat und oft auch einen Comic für Polly. Der zweite Kandidat ist Herr Honig, in dessen Bäckerei es den besten Nusskuchen gibt. Und dann ist da noch Frau Güler, die Gemüsehändlerin, bei der es immer schon Blaubeeren gibt, bevor die im Wald reif sind. Einer der drei muss die Briefe schreiben, doch wer? Unter einem Vorwand beschafft sich Polly Schriftproben zum Vergleich mit den Briefen, doch keine passt. Also beschließt sie, der falschen Oma eine Falle zu stellen und schreibt in ihren nächsten Briefen, wie schade es doch sei, dass es bei Herrn Hase keine Comics gibt, bei Herrn Honig keinen Nusskuchen und bei Frau Güler keine Blaubeeren. Sie bekommt zwei Briefe mit “ja, das ist wirklich schade” zurück, im dritten jedoch steht: “Das ist doch gar nicht wahr!” Jetzt ist sich Polly sicher, wer hinter den Briefen steckt … Bilderbücher zum Thema Tod und Trauer kenne ich viele. Jedoch etwas für die Größeren zu finden, ist gar nicht so leicht. Klar, es gibt Sachbücher, und es gibt auch gute Kinderromane, die das Thema behandeln, aber die finde ich oft zu schwierig/ heftig. Nun fiel mir diese Geschichte für Kinder ab 8 in die Hände. Dadurch, dass sich Text und Bildergeschichte abwechseln, können schon (fortgeschrittene) Erstleser die Handlung gut erfassen, und diese Abwechslung macht die ganze Geschichte auch gleich noch spannender. Man will unbedingt wissen, wie es weitergeht und natürlich, wie alles ausgeht. Wer schreibt an Omas Stelle die Briefe? Briefe an eine(n) Verstorbene(n) zu schreiben ist übrigens eine gute Möglichkeit, mit seiner Trauer umzugehen, und das nicht nur für Kinder, auch wenn man in der Regel keine Antwort bekommt. Ich habe das selber mal gemacht. Viel Spaß beim Lesen!!!

Buch bestellen? https://www.osiander.de/shop/home/artikeldetails/A1069808891