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Mittwoch, 30. August 2023

"Plötzlich wach! Mit der Queen ‘ne Kutsche kapern (Band 1)"


Ach du Schreck! Die Queen ist weg! "Plötzlich wach! Mit der Queen ‘ne Kutsche kapern (Band 1)"!

Maja von Vogel
Plötzlich wach! Mit der Queen ‘ne Kutsche kapern (Band 1) 978-3-551-65577-6 Carlsen Verlag Alter: 8+

Die elfjährige Annemie ist gerade mit ihrer Mama zu ihrer Oma gezogen. Sie vermisst ihr altes Zuhause an der Nordsee und ihren Papa, der als Containerschiff-Kapitän über die Meere schippert. Mama erledigt jetzt die Buchhaltung in Wunderlichs Wachsfigurenkabinett. Das gehört Oma Friederike, die von allen nur Fritz genannt wird. Oma Fritz liebt ihre 163 Wachsfiguren, Pfefferminztee und Klatschzeitschriften. Beim Frühstücken inmitten der Wachsfiguren im viel zu kleinen Eiskönigin-Nachthemd und in Monsterkrallen-Hausschuhen lernt Annemie Leo kennen, den Sohn der neuen Aushilfe, der ein bisschen wie der junge Prinz Harry aussieht. Plötzlich hören sie Oma Fritz schreien. Die Queen ist weg! Wer stiehlt denn eine Wachsfigur? Und warum ist Oma Fritz so vehement dagegen, die Polizei zu rufen? Dann rennt sie wie ein aufgescheuchtes Huhn durch den Garten und schaut hinter jeden Busch. Seltsam. Annemie und Leo wollen den Fall lösen und suchen nach Spuren. Wie sind die Diebe hereingekommen? Im Park gegenüber sehen sie einen Obdachlosen in zerrissenen Klamotten und mit verfilztem Bart auf einer Bank sitzen. Er trägt das Diadem der Queen! Annemie stellt ihn zur Rede. Angeblich hat eine nette alte Dame, die ihn nach dem Weg zur nächsten Pferderennbahn gefragt hat, ihm das Diadem geschenkt. Dann entdecken sie die Schärpe der Queen an einem Parkscheinautomat und treffen einen Jungen, der den königlichen Familien-Orden am Shirt trägt. Er meint, so eine komische alte Tante hat ihn ihm geschenkt, weil er ihr gezeigt hat, wie die Fußgängerampel funktioniert. Bald darauf machen Annemie und Leo eine unglaubliche Entdeckung. Die Queen sitzt quicklebendig in Biggis Bäckerei und frühstückt! Ist das tatsächlich die vermisste Wachsfigur? Beim Gespräch mit ihr zeigt sich, dass sie sich anscheinend wirklich für die echte Queen hält. Leider hat sie kein Geld, um das opulente Frühstück zu bezahlen. Verfolgt von einem riesigen glatzköpfigen Kellner, türmen die drei aus dem Café. Vor der Kirche wartet eine Hochzeitskutsche. Die Queen springt auf den Kutschbock und los geht die Fahrt. Holy Moly! Zurück ins Wachsfigurenkabinett will die Queen nicht, aber sie erzählt, dass Oma Fritz und sie schon ewig die besten Freundinnen sind. Natürlich erregt die Queen Aufmerksamkeit und schon bald bildet sich eine Menschenmenge. Ist das die echte Queen? Hat sie ihren Tod nur vorgetäuscht? Oder ist es ein Werbegag? Ein Theaterprojekt? Als die Polizei auftaucht, setzen die drei ihre Flucht mit einem Tretboot fort, werden dann aber doch geschnappt, als die Queen mal kurz hinter einen Busch … Hey, auch eine Queen muss mal. Die Kinder geben die Queen kurzerhand als ihre verwirrte Oma aus und die Polizei bringt sie nach Hause. Dort hat Oma Fritz einiges zu erklären …

Ich habe dieses rasante Abenteuer in einem Rutsch verschlungen und mich königlich amüsiert! Annemie und Leo sind mir beim Lesen richtig ans Herz gewachsen, vor allem Leo, der trotz seiner vielen Phobien Mut beweist, und die Queen ist einfach super cool! Ich freue mich schon auf weitere Abenteuer. Band 2 ist auch schon erschienen. Da wird Graf Dracula höchstpersönlich zum Leben erweckt. 

Viel Spaß beim Lesen!!!


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Mittwoch, 9. August 2023

"Julian und Anisa und das Wunder vom Wacholderpark"

Ein Fiesling, ein Fußballspiel und zwei besondere Freunde:"Julian und Anisa und das Wunder vom Wacholderpark"!

Benjamin Lebert Julian und Anisa und das Wunder vom Wacholderpark 978-3-407-81306-0 Beltz & Gelberg Verlag Alter: 10+

Julian bewundert die coole Anisa aus dem Wacholderpark. Sie ist ein echter Wirbelwind und ein Fußballass. Julian spielt kein Fußball, sein Hobby ist es, Wörter zu sammeln. Er ist Epileptiker und hat von dem fiesen Diego den Spitznamen “Zitteraal” bekommen. Warum nur muss Anisa immer mit diesem Fiesling abhängen? Irgendwie scheinen alle Mädchen auf Diego zu stehen. Eines Tages spioniert Julian Anisa und Diego hinterher und wird Zeuge, wie sie in das abgebrannte Bootshaus an der Alster einbrechen. Jens Jeschke, der unsympathische Hausmeister, erwischt Julian auf dem Gelände, doch er verrät Anisa und Diego nicht. Auch der Polizei, die wegen des immer noch ungeklärten Brandes ermittelt, sagt er nichts. Für Diego ist klar: Julian hat sie nur deshalb nicht verraten, weil er sie erpressen will. Nichts liegt Julian ferner, doch Diego und seine Kumpels machen ihn trotzdem gnadenlos fertig - bis Anisa eingreift und sich auf Julians Seite schlägt. Diego sagt, wenn Anisa und Julian ihn und seinen Kumpel Henri in einem Fußballspiel (2 gegen 2) besiegen, wird er Julian in Zukunft in Ruhe lassen. Sollte Diego jedoch gewinnen, wird er Julian bei der Polizei als den gesuchten Brandstifter präsentieren. Anisa ist außer sich. Julian hat doch gar nichts getan. Sie hasst es, wenn jemand so auf Schwächere losgeht. Die Zeit läuft. Es ist nicht mehr lange bis zum Spiel. Der unsportliche Julian versagt beim Training total. Er schafft es nicht, ein einziges Tor zu schießen. Diego und Henry sehen, wie Julian sich anstellt und lachen sich kaputt. Anisa ist kurz davor aufzugeben. Doch dann naht die Rettung in Gestalt von Herrn Wong. Der freundliche China-Restaurant-Besitzer mit dem Kugelbauch macht den Kindern Mut. Er erzählt ihnen, dass er früher mal in der Bundesliga als Mittelfeldspieler gespielt hat. Mit seiner Hilfe werden sie das Spiel gewinnen. Da ist er  sich sicher. Seiner Mutter erzählt Julian, dass er in Herrn Wongs Restaurant hilft, denn sie hat ihm tatsächlich einen Ferienjob bei Hausmeister Jeschke arrangiert, damit er keinen “Blödsinn” mehr macht. Sie hat ja keine Ahnung, und wie Jeschke sie anschmachtet, findet Julian einfach nur widerlich. In der Schule lässt der Geschichtslehrer gegenüber Anisa einen rassistischen Kommentar fallen: “Wir sind hier nicht auf Bali, wo man die ganze Zeit im Baströckchen in der Hängematte liegt und aus Kokosnüssen trinkt. Du musst dich anstrengen, Bali-Mädchen!" Keiner sagt was, nur Julian meldet sich und verlangt von dem Lehrer, dass dieser sich sofort entschuldigt, denn was er gesagt hat, ist rassistisch und falsch. Plötzlich stellt sich die ganze Klasse hinter Julian, so dass der Lehrer schließlich einknickt und sich entschuldigt. Anisa ist beeindruckt, wie mutig Julian sich für sie eingesetzt hat. Sie erzählt ihm, dass sie als kleines Kind an Leukämie erkrankt war und ihre Familie nach Deutschland kam, um ihr die beste medizinische Behandlung zukommen zu lassen. Die beiden starten das Geheimtraining mit Herrn Wong. Dessen Bewegungen sind vielleicht nicht mehr so fließend, aber er hat immer noch einen super Schuss drauf. Er will die Kinder voll unterstützen und ihnen Trikots und vor allem Publikum besorgen. Schließlich kennt er das ganze Viertel. Anisa ist beeindruckt. Julian hat so ein Kribbeln im Bauch, wenn er mit Anisa zusammen ist. Das fühlt sich schön an. Die beiden sind ein tolles Team, aber werden sie auch das Spiel gewinnen?

Eine ganz besondere Freundschaftsgeschichte zwischen zwei Kindern, die unterschiedlicher nicht sein könnten! Zum Schluss sind die beiden unzertrennlich und gemeinsam stärker als alle Fieslinge, die ihnen blöd kommen. Die Erzählperspektive wechselt zwischen den beiden. Ich finde, so ist die Geschichte sowohl etwas für Jungs als auch für Mädchen. Das Buch ist eher dünn, was ein Anreiz für Wenigleser und schwache Leser ist, dennoch steckt in dem kleinen Buch eine großartige Geschichte!

Viel Spaß beim Lesen!!!


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Mittwoch, 26. Juli 2023

"Infernia"


Kann eine KI fühlen?: "Infernia"!

Karl Olsberg
Infernia
978-3-7432-1384-5
Loewe Verlag
Alter: 14+

Die fünfzehnjährige Emma und ihr Freund Ben spielen begeistert das neue Computerspiel “Infernia”, an dessen Entwicklung Bens superreicher Vater finanziell beteiligt war. Als Dämonenlord Zardor und Eterim Rialis kämpfen sich die beiden durch eine beeindruckende Fantasy-Welt. Emmas Mutter zeigt dafür wenig Begeisterung. Sie meint, Emma sei spielsüchtig. Emma/ Rialis trifft im Spiel auf den Soldaten Jero, einen NPC (Non-Player-Character), der sich ungewöhnlich menschlich verhält und buchstäblich durch die Hölle geht, um seine Kameraden zu retten. Mit Mario, dem schwulen Physikgenie aus der Parallelklasse, diskutiert Emma darüber, ob die Figuren im Spiel echte Gefühle haben können. Was macht künstliche Intelligenz intelligent? Ben fühlt sich derweil zurückgewiesen und ist eifersüchtig, dass Emma so viel Zeit mit Jero (im Spiel)  und Mario (im echten Leben) verbringt. Er kann auch nicht verstehen, dass Emma noch nicht bereit ist für Sex, daher macht er mit ihr Schluss. Dennoch lädt Bens Vater Emma zu einem Treffen mit dem Firmengründer Fabian Litkowski ein, sehr zum Ärger von Ben. Sie besichtigen die Firma “Infernal Games”. Etwa 3000 simulierte Gehirne, denen eine komplexe Welt vorgegaukelt wird, sind mit einem zentralen Quantencomputer verbunden. Daher haben die NPCs im Spiel quasi ein Bewusstsein und können autonom entscheiden. So viel Aufwand für ein Computerspiel? Litkowski vertraut ihnen an, dass das Spiel nur ein Nebenprodukt ist. Es dient lediglich dazu, die künstlichen Intelligenzen zu trainieren, um sie später anderweitig einzusetzen. Bevor Emma und Ben unter Litkowskis Aufsicht in den modernsten Simrigs (VR-Systemen) das Spiel spielen können, kommt es erneut zum Streit zwischen den beiden. Da ihre Mutter ihr das Spiel verboten hat und sie bei Ben nicht mehr willkommen ist, spielt Emma von nun an bei Mario. Bens Figur Zardor nimmt Jero gefangen, denn er glaubt, dass Emma in Jero verliebt sei. Als sie ihre Figur für Jero opfert, sieht Ben seine Theorie bestätigt. Emma erstellt eine neue Figur und tut alles, um Jero zu retten. Sie versucht Jero zu erklären, wer und was er ist, doch Jeros Schutzmechanismen greifen, und er ignoriert ihre Aussagen zu diesem Thema völlig. Eigentlich ist es auch irgendwie grausam, ihn mit der Wahrheit zu konfrontieren. Emma macht jedoch immer weiter, bis Jero auf einmal verschwindet. Wurde er gelöscht? Da Emmas Account gesperrt wurde und sie sich nicht mehr einloggen kann, sucht sie, gemeinsam mit Mario, Litkowski persönlich auf. Der gibt sich ahnungslos und meint, sie soll sich bei Problemen mit dem Spiel an die Hotline wenden. Emma platzt der Kragen und sie konfrontiert Litkowski: Warum quält er in dem Spiel die empfindungsfähigen KIs? Die KIs haben Gefühle! Litkowski weiß das ganz genau, und er lässt trotzdem zu, dass sie in einer grausamen Fantasy-Hölle, die für sie jedoch real ist, leiden! Emma will gegen das Leid der KIs vorgehen und sich für ihre Rechte einsetzen. Zusammen mit Mario dreht sie ein Video darüber und lädt es hoch. Zunächst hält sich die Reichweite in Grenzen, dennoch fordert Litkowski, dass sie es umgehend löscht, sonst wird das rechtliche Konsequenzen haben. Emma weigert sich, und plötzlich geht das Video viral. Emmas Mutter begreift endlich, worum es Emma geht und dass das nichts mit Spielsucht zu tun hat. Sie schlägt sich voll und ganz auf Emmas Seite und ist stolz auf ihre mutige Tochter. Ein Talkshow-Auftritt, ein Flashmob vor dem Firmengebäude, Emma wird langsam zu einem großen Problem für Litkowski. Er bietet ihr an, Jero wieder zum Leben zu erwecken, wenn sie endlich Ruhe gibt, doch sie bleibt standhaft. Auch wenn ihr viel an Jero liegt, würde seine Rettung bedeuten, tausende andere seiner Art zu verdammen. Es folgen weitere Bestechungsversuche, doch Emma ist nicht käuflich. Litkowski will daraufhin Emmas Glaubwürdigkeit zerstören, denn er befürchtet, sie könnte die vertraulichen Firmengeheimnisse, die er ihr anvertraut hat, öffentlich machen. Was wirklich hinter dem Spiel steckt, hat Emma aber nur Mario verraten. Plötzlich klingelt Emmas Handy, und am anderen Ende ist Jero! Er lotst sie in eine Lagerhalle, wo ein Simrig steht. Sie rechnet damit, dadurch ins Spiel zu gelangen, wahrscheinlich direkt in eine Falle, doch sie findet sich stattdessen in einer US-Militärbasis in Jordanien, an der Grenze zum Irak, wieder. Das ist definitiv kein Spiel! Jero und die anderen KIs steuern hier Drohnen und Kampfroboter. Ist das die Kriegstechnik der Zukunft? Doch das ist noch nicht alles. Der Quantencomputer ist völlig außer Kontrolle und die Menschheit in Gefahr!
Wow, einfach wow!!! Ich feiere Karl Olsberg seit seinem Debüt “Boy in a White Room”. “Infernia” ist bis jetzt sein bestes Buch! Die Story ist super spannend und regt wirklich zum Nachdenken an, was das hochaktuelle Thema KI angeht. Was passiert, wenn eine KI Gefühle entwickelt, Angst und Schmerz verspürt? Was sagt das über die Menschheit aus, wenn wir diese empfindungsfähigen Wesen schlecht behandeln? Wie werden wir Menschen in Zukunft von den KIs behandelt werden? Und wie lange wird die Geschichte von “Infernia” überhaupt noch Science-Fiction sein? 
Viel Spaß beim Lesen!!!


Donnerstag, 20. Juli 2023

"Almuth und der Hühnersommer"


Von Federvieh und neuen Freunden: "Almuth und der Hühnersommer"!

Mareike Krügel
Almuth und der Hühnersommer
978-3-407-75715-9
Beltz & Gelberg Verlag
Alter: 8+

Almuth ist gerade von Berlin aufs Land gezogen. Grund dafür ist die Krankheit ihres kleinen Bruders Jonathan. Er ist oft so schwach, dass er im Rollstuhl sitzen muss, seine Medikamente machen ihn zusätzlich müde, und er braucht manchmal auch ein Sauerstoffgerät, das ihm beim Atmen hilft. Die ganze Familie hat außerdem ihre Ernährung wegen ihm umgestellt. Almuth liebt ihren Bruder von Herzen, doch sie ist oft allein, weil ihre Eltern mit Jonathan bei der Therapie, bei Arztterminen oder im Krankenhaus sind. Sie kommunizieren hauptsächlich über Zettel, die Almuth nach der Schule auf dem Küchentisch vorfindet. Als Almuth das Huhn Ingeborg vor dem aufdringlichen Hahn Friedemann rettet (sie will nämlich mal Retterin bei der Feuerwehr werden, und dafür muss sie üben), lernt sie ihren Nachbarn Matthias Matthiesen kennen. Sie nennt ihn Öhi, weil er sie an den Almöhi aus den Heidi-Geschichten erinnert. Der Öhi ist auch oft allein, seit seine Frau Kathrin und sein Hund gestorben sind. Bald geht Almuth täglich beim Öhi ein und aus, kennt jedes Huhn mit Namen und weiß, wer welche Eier legt. Öhi kann prima Apfelmus kochen, hat immer ein paar Weisheiten auf Lager und freut sich über die nette Gesellschaft. Almuth findet bald noch weitere Freunde. Sie trifft Said, der am Dorfteich angelt, um seiner Helikoptermutter zu entfliehen, die zuhause auf ihn lauert, und sie trifft die quirlige Joy, die eine ganze Horde Geschwister hat. Almuth beneidet beide ein bisschen, Said um die Aufmerksamkeit und Zuneigung, die er von seiner Mutter bekommt und Joy darum, dass sie nie allein und einsam ist. Für Said und Joy jedoch ist Almuths leeres Haus das Paradies. Sie genießen die Ruhe und backen Kuchen mit den Eiern von Öhis Hühnern. Joy nutzt Almuths Zimmer als Rückzugsort, da sie kein eigenes Zimmer hat. Said bestaunt derweil die Elektrogeräte von Almuths Vater. Besonders das Laminiergerät findet er total cool. Er steht auf Technik, und er steht auf Heißluftballons, denn die sind für ihn ein Symbol für Freiheit. Von dem Kuchen, der zwar abenteuerlich aussieht, aber lecker ist, soll auch der Öhi was abbekommen. Der ist heute sehr niedergeschlagen, denn die Hühner Albertina und Helga sind tot, wahrscheinlich von einem Marder umgebracht. Nachdem der Kuchen gegessen und die Hühner beerdigt sind, schmieden die Kinder einen Plan. Sie beschließen, in der Nacht dem Marder aufzulauern und ihm einen solchen Schrecken einzujagen, dass ihm für immer der Appetit auf Hühner vergeht. Sie schleichen sich nachts heimlich raus und halten abwechselnd Wache. Es kommt zwar kein Marder, doch am frühen Morgen taucht ein Habicht auf und stürzt sich auf das Huhn Laxi. Sie können den Habicht vertreiben, doch Laxi ist verletzt. Der Öhi pflegt sie gesund, doch dann wird er selbst krank. Es ist sein Herz! Als die Sanitäter ihn ins Krankenhaus bringen wollen, will Almuth das verhindern, doch sie scheitert. Sie weiß genau, dass er nicht ins Krankenhaus will. Er will stehend im Kartoffelbeet sterben, das hat er gesagt. Zusammen mit ihren Freunden will sie den Öhi aus dem Krankenhaus befreien …
Ein herrliches Sommerabenteuer (welches zwar teilweise im Herbst spielt, aber wer wird denn so kleinlich sein) mit einer sympathischen Heldin, die man sofort ins Herz schließt, genau wie ihre Freunde Öhi, Said und Joy. Trotz der schwierigen Situation mit Almuths krankem Bruder und ihren Eltern, ist das keine typische Problem-Geschichte. Sie hat eigentlich eine perfekte Mischung aus Leichtigkeit und Tiefgang. Ich würde mich sehr über weitere Abenteuer von Almuth und Co. freuen, denn dieses hier hat mir wirklich sehr gefallen. Außerdem ist es auch ein tolles Geschenk für Hühner-Fans!
Viel Spaß beim Lesen!!!

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Mittwoch, 12. Juli 2023

"Die Misewa Saga - Die weite Steppe "


Vergiss nicht, wer Du bist: "Die Misewa Saga - Die weite Steppe "!

David A. Robertson, übersetzt von Michael Raab
Die Misewa Saga - Die weite Steppe (Band 1)
978-3-95878-047-7
Little Tiger Verlag
Alter: 10+

Seit 2 Monaten lebt die dreizehnjährige Morgan bei ihren Pflegeeltern Katie und James in Winnipeg. Es ist bereits ihre 8. Pflegefamilie. Vor einer Woche ist noch der zwölfjährige Eli dazugekommen. Für ihn ist es die erste Pflegefamilie. Beide Kinder haben indigene Wurzeln. Im Gegensatz zu Eli hat Morgan jedoch gar keinen Bezug zu ihrer Kultur. Sie reagiert aufbrausend, als ihre Pflegeeltern Essen aus einem indigenen Restaurant holen und ihr ein Paar Mokassins schenken, obwohl sie im Grunde weiß, dass sie es eigentlich nur gut meinen. In der Schule sind Morgan und Eli Außenseiter. Morgan wundert sich, dass die nette Emily ihre Gesellschaft sucht, denn sie kann sich selbst nicht so recht leiden, also warum sollten es andere tun. Emily hilft Morgan, einen neuen Zeichenblock für Eli aufzutreiben. Eli zeichnet fantastische Landschaften und Tierwesen. Morgan hingegen liebt Fantasy-Bücher. Sie nimmt Eli mit in ihr Geheimversteck auf dem Dachboden, damit er sie nicht so einsam fühlt. Sie liest. Er zeichnet. Eigentlich ist der halb-renovierte Dachboden Sperrzone für die Kinder. Als Eli eine seiner Zeichnungen an die Wand hängt, fegt plötzlich der Schneesturm aus dem Bild durch den Dachboden. Die Zeichnung wird zu einer Tür in eine andere Welt. Eli zieht es dorthin. Die Weite der Landschaft erinnert ihn an sein Zuhause. Als er sich nachts davon schleicht, bleibt Morgan nichts anderes übrig, als ihm zu folgen. Vielleicht braucht er ja Hilfe. Sie verliert das Bewusstsein im Schneesturm und wird von Ochek gerettet, einem aufrecht gehenden, sprechenden und Kleidung tragenden Otter. Er bringt sie nach Misewa, dem einzig verbliebenen Dorf im nördlichen Land. Eli ist auch dort - und das schon seit 2 Wochen! Die Zeit vergeht hier anders. Morgan träumt von ihrer Mutter, die etwas auf Cree sagt. Eli übersetzt: "Vergiss nicht, wer du bist.” Ochek erzählt von einem Mann, der vor ihnen herkam. Er wurde zunächst von den Dorfbewohnern (alles Tierwesen) freundlich aufgenommen, doch er war gierig und schlecht und wurde schließlich verbannt. Da er die Sommervögel mitgenommen hat, herrscht nun ewiger Winter. Das Eichhörnchen Arik, stolze 1,50m groß und wie die Bewohner des Dorfes vom Schöpfer mit Worten ausgestattet, das die Fallen im Camp von Ochek geplündert hat, weiß wo die Sommervögel sind. Obwohl der Rat von Misewa den Menschenkindern nicht so ganz vertraut, schickt er sie mit Ochek und Arik los, um die Sommervögel zu finden. Auf der Reise kommen Morgan und Eli sich näher. Morgan sieht in ihm bald einen Bruder, den sie als große Schwester beschützen muss. Sie erreichen den Gipfel des Berges und können die Grenze sehen, die die “Grüne Zeit” von der “Weißen Zeit” trennt. Ein Wolf, der dem Mann dient, versucht sie aufzuhalten und Eli zu verschleppen. Die anderen können dies jedoch verhindern. Es kommt zum Kampf. Der Wolf ergibt sich. Sie versorgen seine Wunden und lassen ihm ihr Zelt. Es gelingt ihnen, die Hütte des Mannes zu finden und die Sommervogel in ihren Besitz zu bringen. Doch auf der Flucht mit dem Kanu wird Ochek von einem Pfeil getroffen. Es sieht gar nicht gut aus …
Ein beeindruckendes Abenteuer in einer fantastischen Welt, das zeigt, was die Gier der Menschen anrichten kann und uns ermahnt, achtsam mit unserer Welt umzugehen! Nachdem mich bereits Robertsons “Strangers” (Cole Harper Reihe) begeistert hat, war ich neugierig auf seine neue Serie. Der Autor ist selbst indigen und weiß, worüber er schreibt. Er schafft einen Zugang zu der Gefühlswelt der Pflegegeschwister Morgan und Eli, die im Laufe der Geschichte immer enger zusammenwachsen und schließlich eine Familie werden. Mir gefiel sowohl der Fantasy-Teil, der mich etwas an "Narnia" erinnert hat, als auch der, der in der realen Welt spielt. Bin schon gespannt, wie es mit Morgan und Eli weitergeht.
Viel Spaß beim Lesen!!!